Sonntag, 5. November 2017

Projekt Doppelbelichtung Schönebeck trifft Berlin - Berlin trifft Schönebeck

Vor etwa fünf Monaten initiierten Mario und ich ein gemeinsames Fotoprojekt:

http://fotografiegraefenhahn.blogspot.de/2017/06/doppelte-belichtung-ein-analoges.html

Nun kommen ein paar Erlebnisse und Ergebnisse:

"Es tut mir leid, beide Filme sind verdorben! Beide Filme sind doppelt belichtet worden und es ist kein einziges brauchbares Bild drauf". Die Verkäuferin bei Fixfoto sieht mich mitleidig an.  "Super, dann hat ja alles geklappt!!" Stirnrunzeln bei der Verkäuferin. Ist der nicht ganz dicht? Meine Erklärung hellt die Umstände auf. Zum Glück wurde mein ausdrücklicher Wunsch, beide Filme nicht zu zerschneiden, beherzigt.
Vor einiger Zeit las ich in einer Fotozeitschrift von einem Doppelbelichtungsprojekt. Ein deutscher und ein japanischer Fotograf belichteten jeweils Filme mit örtlichen Fotomotiven und schickten sie sich unentwickelt per Post zu. Dazu aber kein Wort über die fotografierten Motive. Nach der über 11.000 Kilometer weiten Reise wurden die Filme ein zweites Mal in eine Kamera gelegt und ein zweites Mal belichtet. Die Motiven waren gezwungenermaßen gänzlich andere. So entstanden unberechenbare Bildkompositionen mit deutschen und japanischen Motiven. 
Flugs wurde Mario angemailt und sofort traf eine positive Reaktion ein. Unsere Idee ist schlau: Ideenklau! O.K., es ist nur eine sachsenanhaltinisch - berlinische Aktion und auch die Entfernung beider Regionen ist etwas geringer als die bei unseren Vorbildern. Aber immerhin!
Vereinbart und getan. Christian hatte uns den Fujicolor 200, ein Farbnegativfilm mit guten Scaneigenschaften, für das Projekt empfohlen. 
Ungewohnt war es für mich, nach vielen Jahren der Analogabstinenz wieder mit meiner Nikon F2A und der russischen Panoramakamera Horizont zu arbeiten. Keine Automatiken, ein hammerartiger Spiegelschlag, leere Belichtungsmesserbatterie und recht dunkler Sucher der F2A, der Umgang mit den mechanischen Macken der Horizont ... . Das reine Vergnügen war es nicht. Es ist schon interessant, wie wir durch den Komfort der modernen Kameras versaut werden. Komischerweise kamen damals je nach fotografischem Können des Fotografen, trotzdem gute Bilder raus.
Zwei Filme pendelten zwischen beiden Städten und wurden dem Schönebecker und Berliner Licht ausgesetzt. Zum Anfang des Projekts wollten wir allerdings nicht ganz hardcoremäßig rangehen und haben vereinbart, dass eine der beiden Belichtungen mit grafischen Motiven gemacht werden sollten. Wir haben das praktischerweise auf je einen Film aufgeteilt und diesen entsprechend markiert.
Nach der Entwicklung und ersten groben Sichtung blieben beide Negativrollen erst einmal liegen. Urlaube, andere wichtigere Fotoprojekte ( Leicafotografentreffen in Berlin) und beruflichen Stressphasen gingen vor. Bei der zweiten Sichtung folgte etwas eine Ernüchterung, sowohl an der Elbe als auch an der Spree. Ja, das eine oder andere ist ganz interessant und witzig, aber deeeer Burner war nun wirklich nicht dabei. Sind zwei doppelt belichtete Filme zu wenig für die Unberechenbarkeit? Oder hatte die Fixfotoverkäuferin mit ihrem "alles verdorben" doch recht?

Hier ein paar von mir selektierte Filmausschnitte:









Ob unser Fotoprojekt wie geplant in eine zweite Phase geht, vielleicht mit geänderten Modalitäten, wird die Zukunft zeigen.

Hier gibt es den (gedoppelten) Bericht von Mario: www.linsen-suppe.de

 
Und hier ist der Gastkommentar von Mario:

Der Kommentar der Fotoverkäuferin mag lustig sein. Recht hat Sie aus meiner Sicht damit aber nicht, denn jede einzelne Aufnahme ist „Überraschung pur“ und keinesfalls „verdorben“.

Die Anfrage zum Doppelbelichtung-Projekt kam zum richtigen Zeitpunkt. Seit einigen Wochen widmete ich mich nach fast 20 Jahren Abstinenz dem Thema Analogfotografie. Die Thematik Doppelbelichtung kam mir als geplantes Stil-und Spielmittel durchaus schon einmal in den Sinn; ehrlicherweise war der Gedanke dann aber auch schnell wieder verschwunden. Nun kam aus Berlin die Idee, das Thema Doppelbelichtung „zu zweit“ anzugehen. Bisher hatte ich bei einer erneuten Belichtung nur daran gedacht, mit einer bewusst eingesetzten Überlappung einen geplanten Effekten zu erreichen. Doch diese Idee war anders; denn durch die Zusammenarbeit kam nun ein unberechenbares Zufallselement ins Spiel.

Obwohl den analogen Aufnahmen ein durchaus vielversprechender digitaler Test vorausging, war meine Spannung auf die entwickelten Resultate sehr groß. 

Das Ergebnis war dann ... ... überraschend anders als erwartet.

Die analogen Fotos unterscheiden sich deutlich vom digitalen Testlauf. Waren die digitalen Mischungen meist überlagernde und doch erkennbar unterschiedliche Quellen, dominiert auf dem analogen Material meist das Bild eines Fotografen. 

Ich habe auf dem Bildmaterial mit verschiedenen Bearbeitungsmethoden experimentiert. Die Farben des FujiColor-Films sind brilliant; einigen Fotografen bereits zu gesättigt. Ich mag diese kräftigen Farben. Doch erst bei der Wandlung in schwarz/weiß und Steigerung des Kontrastes bekamen die Bilder in meinen Augen die richtige Balance zwischen konkurrierenden Motiven und einer gemeinsamen Harmonie. 

Ich bin Hartmut Gräfenhahn, dem engagierten Fotografen aus Berlin, für diese Erfahrungen sehr dankbar. Und da man aus Erfahrung bekanntlich klug wird, würden wir bei einer Fortsetzung wahrscheinlich einige Sachen anders machen. Mich interessiert sehr, wie diese Bilder auf andere Betrachter wirken. Über einen Kommentar auf den Blogs der Mitwirkenden würde ich mich sehr freuen.
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Das waren meine eingesetzten Kameras:





Dienstag, 26. September 2017

Portraitsession mit Sarah

Im Rahmen eines selbstorganisierten Portraitworkshops haben wir zwei ganz verschiedene weibliche Models zur Verfügung gehabt. Vielen Dank an Matthias vom Fujistammtisch für die Vermittlung beider Models.

Hier kommen meine Bilder von Sarah











Alle Bilder wurden mit einer Fuji X-E2 und den Objektiven Fuji 55-200, Nikon AF-D 1,8/50 und Leica Elmarit R 2,8/90 gemacht.

Die Bilder von Mandy folgen demnächst.


Montag, 28. August 2017

Gewerbehinterhöfe in Kreuzberg

Ein paar Ergebnisse von unserem fotografischen Spaziergang durch die Gewerbehinterhöfe in Kreuzberg:










Die Bilder entstanden mit einer Fuji X-E2 (+ 27 mm, + 55-200 mm) und einer Leica X 1.

Sonntag, 25. Juni 2017

Aufgegebene Geschäfte

Der aufmerksame Beobachter trifft sie in Berlin sehr oft an: aufgegebene Einzelhandelsgeschäfte. Früher gab es viele dieser Einzelhändler in fast jeder Straße: den Zigarrettenladen, das Obstgeschäft, den Fleischer, den Tante Emma-Laden, ... . Nur die Bäcker und Friseure können sich heute oft noch halten.
Beim Fotografieren kommen die Gedanken über die Ursachen. Die Verdrängung durch Supermärkte, Einkaufszentren und Online-Händler und damit weniger Kundschaft? Steigende Mieten, die den Betrieb unrentabel machten? Krankheit oder Tod, da die Einzelhändler oft bis ins hohe Alter arbeiten? Oder keine kaufmännischen Nachfolger gefunden?
Einige der unten gezeigten Ladengeschäfte kenne ich schon seit 30 Jahren leerstehend.
Teilweise wird den ehemaligen Ladengeschäften neues Leben eingehaucht. Büros oder Wohnungen entstehen. Manchmal auch einen Pizza-Lieferdienst oder ein Materiallager. In angesagten Gegenden Kunstgalerien, die aber oft nach einiger Zeit wieder verschwinden.