Freitag, 8. Dezember 2017

Street mit einer 50 Megapixel-Mittelformatkamera


Es gibt Kameramarken, da kommt es bei deren Erwähnung zu einem Leuchten in den Augen erfahrener Fotografen. Leica, Linhof und .... Hasselblad. Bei der Lektüre der Website von CALUMET fiel mir neulich ein kostenloser Promotionworkshop ins Auge: Streetphotography mit der Hasselblad X1D. Street mit einer digitalen Mittelformatkamera? Na, da bin ich ja sehr neugierig. Flugs habe ich Teilnehmer meines letzten Streetphotographyworkshops angemailt und mich selbst angemeldet.

Eine Woche später saß ich mit Manfred, Rainer und sieben weiteren unbekannten Fotograf(inn)en im provisorisch hergerichteten Seminarraum von CALUMET. Nach einer eher überflüssigen Einführung zum Thema "Wie der goldene Schnitt zu guten Fotos führt" wurden wir mit jeweils einer eigenen X1D und 45 mm-Objektiv (35 mm KB-äqiuv.) für drei Stunden in den Berliner Straßendschungel entlassen. Da hatten wir jeder mal locker eine Kamerakombi im Wert von 13.000 Euro in der Hand - buchstäblich in der Hand, denn es war weder ein Kameragurt noch eine kleine Fototasche dabei.



Zuerst stand eine Begutachtung der Kamera an. Das Design ist sehr eigenwillig. Manche sagen, es sei sehr modern und stylisch. Andere sagen, dass es aussieht, als wenn die Kamera aus Lego gebaut wurde. Am knallgelben Auslöser scheiden sich die Geister. Mir persönlich hat das Design immer besser gefallen. Die Kamera ist für die Sensorgröße von 44x33 mm recht kompakt und liegt bemerkenswert gut in der Hand. Die gewöhnungsbedürftigen Bedienelemente ermöglichen eine Einhandbedienung (siehe Bild). 

Dann musste man sich mit der Kamerabedienung vertraut zu machen. Obwohl das Menu längst nicht so voll ist wie bei Sony, Nikon oder Fuji, war es zunächst hakelig, wunschgemäße Bilder zu erstellen.



Das erste gemachte Bild ließ (buchstäblich) aufhorchen. Der Zentralverschluss des 45 mm macht ein ungewohntes, mittellautes Geräusch, das sich anhört, als wenn man mit einem Löffel in einem Zinnbecher einmal rechts und links an die Wand schlägt. Holla! Dieses Geräusch und Streetphotography? Unserer Meinung nach ein K.O.-Kriterium für die X1D. Schnell stellte sich noch ein weiteres Manko für die Anwendung in der Streetphotography heraus. Der Autofokus und die RAW-Verarbeitung sind nicht die schnellsten. Später sahen wir am Rechner, dass eine RAW-Datei zwischen 85 und 105 MB umfasste. So kam es, dass wir auch andere, geruhsamere Motive wie Architektur und Portrait knipsten. Hier konnte die X1D mit ihrem großen Sensor und meisterlichem Objektiv punkten.

Interessant war, dass wir uns am folgenden Tag zu einen Bildbesprechungs-termin treffen konnten. Für mich ist es immer sehr aufschlussreich, wie andere Fotografen mit der gleichen Themensetzung und in diesem Fall sogar mit der gleichen Kamera umgehen. Danke an Hasselblad und Calumet.
Fazit: Unsere Fujis, Leicas oder Sonys sind für die Streetphotography deutlich besser geeignet. Trotzdem war es ein Erlebnis, mit einer Hasselblad zu fotografieren. Das nächste Mal lieber bei einem Portrait-, Stillleben- oder Architekturworkshop.